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Test und Bewertung: Nancy Drew: Die Legende des Kristallschädels

Story:

befriedigend 5/10

Die junge Nancy Drew macht mit ihrer Freundin News: Nancy Drew 17Bess Urlaub in New Orleans und besucht dabei Henry Bolet, einen College-Kumpel ihres Freundes Ned. Beim Besuch wird sie in dessen Villa von einem Mann in Skelettkostüm überrascht und außer Gefecht gesetzt. Nun will Nancy natürlich herausfinden, was es mit dem Skelett auf sich hat.

Der Spieler schlüpft dazu im Adventure in die Rolle der amerikanischen Mädchen-Detektivin Nancy Drew und deckt in ca. 6 Stunden Spielzeit (Junior-Detektiv-Modus) die Legende um den Kristallschädel auf. Man erfährt von Henrys verstorbenem Großonkel Bruno Bolet, in dessen Besitz sich ein sagenumwobener Kristallschädel befunden haben soll - doch niemand weiß, wo sich der Schädel befindet. Auch hatte Bruno Bolet die Eigenart, Glasaugen zu sammeln. Und das ist auch die Grundaufgabe im ganzen Spiel: sehr viele Glasaugen auf dem Bolet-Anwesen finden, um hinter das Geheimnis des Kristallschädels zu kommen. Die Geschichte schleicht dabei so vor sich hin, baut kaum Spannung auf und auch das Ende bildet keinen wirklichen Höhepunkt.


Grafik:

befriedigend 5/10

Nancy Drew 17 - 1Zu Beginn des Spiels wird der Spieler explizit darauf hingewiesen, möglichst den Raum zu verdunkeln. Und das ist auch notwendig, da das Bild relativ dunkel ist und somit Probleme aufkommen, etwas zu erkennen. Noch verschlimmert wird das durch die etwas unscharf wirkenden Figuren und Hintergründe.

Die Spielgrafik wird mit Bink-Ingame-Videos dargestellt, so dass es keine Lade- oder Wartezeiten gibt und alles flüssig angezeigt wird. Dabei wird aber in Kauf genommen, dass bis auf die Personen, die Regentropfen im Außenbereich und die Rätselelemente nichts animiert, sondern völlig statisch ist.

Das Spiel selbst wird die ganze Zeit in der Ich-Perspektive gespielt. Daher sind die Spielfiguren Nancy oder Bess nie selbst zu sehen, nicht einmal auf der Spielschachtel - so bekommt der Spieler kaum eine Vorstellung von den Spielfiguren und kann sich nur schwer oder gar nicht mit ihnen identifizieren. Die vier anderen Personen hingegen, mit denen man im Spiel interagiert, sind ansehnlich dargestellt, auch ihre Mimik und Gestik sind recht gut gelungen. Dennoch wirken sie wie der Rest der Spielgrafik etwas leblos. Nichtsdestotrotz sind die Handlungsorte grafisch realitäts- und detailgetreu. Generell aber hat die Grafik bei uns einen eher altbackenen Eindruck hinterlassen.


Sound:

mangelhaft 3/10

Nancy Drew 17 - 2Es gibt kaum Hintergrundmusik, bzw. fällt sie nicht auf, wodurch die Spielgeräusche deutlich hervor scheinen. Diese sind jedoch standardmäßig zu laut. Trotz allem wirken die Geräusche authentisch, wie z.B. Regen, Donner, Bewegungen oder das Umblättern von Buchseiten. Der Spielsound wird aber durch die Sprachausgabe völlig kaputt gemacht. Sie ist nicht lippensynchron und z.T. stark zeitversetzt. Weiterhin sind die dazugehörigen Untertitel nicht immer übereinstimmend. Dass die Texte teilweise auch noch von den falschen Personen/Sprechern vorgelesen werden, macht das Ganze noch schlimmer. Die deutsche Aussprache von englischen Wörtern und ein teilweise störender amerikanischer Akzent ziehen die Spielfiguren ins Lächerliche. Eine falsche Stimmmelodie, abgehackte und lahme Aussprache erschweren zusätzlich das Zuhören und ermüden den Spieler. Hier hätte man sehr vieles besser machen können.


Atmosphäre:

befriedigend 5/10

Nancy Drew 17 - 3Die Schauplätze sind leider wenig atmosphärisch und sehr statisch. Der Friedhof hinter dem Bolet-Anwesen wirkt durch den andauernden Regen zwar sehr düster und wird durch die auftretenden Blitze erhellt und es gibt auch ein paar wenige etwas erschreckende Situationen, aber ansonsten stellt sich keine richtige Atmosphäre ein. Der Spieler kann sich nicht wirklich ins Spiel, die Geschichte und die Charaktere einfühlen. Man fühlt sich stattdessen immer etwas distanziert.


Rätsel:

gut 7/10

Nancy Drew 17 - 4Das Spiel beinhaltet 2 extrem unterschiedliche Schwierigkeitsgrade: "Junior Detective" und "Senior Detective". Als Junior Detective hat man eine Fallakte mit Informationen zum bisherigen Geschehen und eine Aufgabenliste für die nächsten Schritte (sehr sinnvoll und notwendig!); auch sind die Rätsel (viel) einfacher. Als Senior Detective ist das Spiel ungleich schwerer, da nicht nur die Rätsel knackiger sind, sondern außerdem jegliche Hinweise fehlen, was überhaupt zu tun ist,. Somit muss sich der Spieler alles selbst erklären und herausfinden, was zu tun ist. Da es aber z.T. sich schwierig gestaltet, alles zu erkennen und außerdem im Spiel generell jegliche Gegenstandsbeschreibungen fehlen, steht man hin und wieder ohne Ahnung da, was zu tun ist. Für einige Adventure-Fans stellt das sicher eine tolle Herausforderung dar, für uns war es jedoch sehr frustrierend. Es werden eher wenig Gegenstände gesammelt und es gibt auch keine Mehrfachbenutzung der Objekte.

Nancy Drew 17 - 5Die Rätsel sind meist einfalls- und abwechslungsreich, insgesamt mal leichter und mal schwerer, manche erfordern Geschicklichkeit und Geduld, andere Kombinatorik. Das generelle Rätselprinzip ist dabei, bevorstehende Aufgaben selbst zu analysieren, eventuelle Hinweise oder Anleitungen zur Rätsellösung (z.B. in Form von Geschichten in einem Buch) zu verstehen und diese dann zu befolgen. Da es aber an Erklärungen seitens Nancy fehlt, muss man vieles selbst herausfinden - auch wenn man Junior-Detective ist und ein Aufgabenbuch besitzt. Manche Rätsel sind obendrein schwer verständlich oder gar unlogisch, z.B. einige Hinweise auf die nächsten Namen bei der Schnitzeljagd. Ebenso will Nancy einige Rätsel nicht lösen, ehe sie dazugehörige Hinweise noch nicht explizit gelesen hat (wie die Noten beim Spinnenloch), auch wenn der Spieler schon Bescheid weiß. Eigene Notizen zur Gedächtnisstütze und Rätsellösung sind an der Tagesordnung, was uns sehr gefallen hat.

Bei so ziemlich allen Rätseln gibt es als Belohnung Glasaugen, die wiederum für ein eigenes Rätsel benötigt werden. Dazu sind Schieberätsel (z.B. ähnlich Sokoban) und Kombinationsrätsel zu lösen (z.B. Truhe öffnen, eine Kiste mit verschieden großen Bücher nach Tetris-System einräumen, Melodie nachspielen). Auch werden Minigames gespielt (z.B. ein Spielautomat, Moskitos à la Moorhuhn mit Insektenspray zu betäuben oder "Memory" mit offenen Karten im Dunkeln - nur mit regelmäßiger Erhellung durch Blitzlichter).

Besonders positiv aufgefallen ist uns das Kombinationsrätsel in Zeke's Laden, das ähnlich wie Crazy Machines funktioniert. Dabei mussten verschieden Gegenstände an eine bestimmte Position in ein Regal gelegt werden, um eine Kettenreaktion auszulösen. Die zugrunde liegende Idee ist originell, aber leider kommt man aufgrund der fehlenden Hinweise nur durch stupides Ausprobieren auf den richtigen Weg. Ein richtig großes Problem des Spiels ist, dass sich mehrere Rätsel aufgrund von Übersetzungsfehlern nicht lösen lassen, z.B. die Wanduhr und Friedhofs-Schnitzeljagd. Frustration ist vorprogrammiert! Mit einer Lösungshilfe lässt sich aber zumindest im Spiel voranschreiten. Etwas nervig war auch die Schnitzeljagd auf dem Friedhof, da man dort immer wieder zurück in die Bibliothek laufen musste...


Gameplay/Steuerung:

befriedigend 5/10

Nancy Drew 17 - 6Das Adventure wird generell mit der Maus bedient, aber an manchen Stellen kann zur bequemeren und einfacheren Rätsellösung auch die Tastatur verwendet werden. Die Bewegung im Spiel erfolgt über Klicks auf Pfeile, die die Richtung vorgeben (z.B. an den Bildschirmrändern zum seitlichen Drehen und in der Bildschirmmitte für geradeaus). Damit ist man in der Bewegung gegenüber anderen Spielen eingeschränkter und meist auch langsamer, da das Drehen um die eigene Achse eher langsam ist und die zu spielende Ich-Perspektive meist auch keine andere Möglichkeit lässt.

Das Inventar, ebenso wie das Aufgabenbuch und die Fallakte, werden in einem separaten Fenster dargestellt, sind aber leider im Spiel nicht dauerhaft anzeigbar. Falls eine Interaktion möglich ist, verfärbt sich der Cursor. Allerdings ist nicht ersichtlich, welche Funktion (Betrachten, Reden o.ä.) mit der linken Maustaste ausgelöst wird. Die oft übliche Erklärung mit der rechten Taste fehlt völlig. Das ist besonders ärgerlich, da zum Einen oftmals nicht erkennbar ist, was man da aufgenommen hat und außerdem werden weder Erklärungen beim Aufnehmen der Gegenstände gegeben werden, noch sind Bezeichnungen an den Gegenständen selber oder im Inventar zu finden.

Im Spiel gibt es ein paar Situationen, wo man sterben kann, allerdings hat man sofort einen erneuten Versuch, ohne dass man selber speichern muss. Speichern ist aber generell sehr sinnvoll, da z.B. ein einfacher Klick auf einen Bogen auf dem Friedhofsmodell das Spiel reproduzierbar zum Absturz brachte. Nach dem Betrachten des Friedhofmodells wäre es auch hilfreich gewesen, wenn man eine kleine Karte mit Beschreibung vom Friedhof bei sich gehabt hätte, da dieser doch recht groß ist und man sich durchaus verirren kann. Vor allem die Schnitzeljagd wäre dadurch weniger umständlich gewesen. Die kleine Friedhofskarte im Handbuch ist nur bedingt nützlich, da sie relativ klein und ohne Beschriftung ist.

Nancy stehen im Spiel zwei kleine Helfer zur Seite: ihre beste Freundin Bess und ihr Freund Ned. Zu Bess wechseln, die sich in der Innenstadt von New Orleans befindet, kann man durch einen Handyanruf. Damit sind auch die beiden Handlungsorte vorgegeben: Nancy auf Bolets Anwesen mit Garten und angrenzendem Friedhof sowie Bess in New Orleans' Innenstadt. Jedoch spielt Bess nur eine kleine Nebenrolle im Geschehen. Mit Ned kann man ebenfalls telefonieren, er ist für das Spielgeschehen aber völlig irrelevant. Stattdessen fasst er die bisherigen Ereignisse zusammen und gibt Hinweise zum weiteren Vorgehen.

Nancy Drew 17 - 7Die Suche nach dem Kristallschädel gestaltet sich leider an vielen Stellen etwas umständlich: So müssen z.B. verschlossene Türen bei jeder Benutzung erneut manuell aufgeschlossen und jeder Gegenstand explizit in einem Inventarfeld abgelegt werden - dafür belegen aber die vielen gesammelten Glasaugen praktischerweise nur einen einzigen Inventarslot. Das Weitergeben von Gegenständen kann auch nicht wie gewohnt über das Inventar geschehen, sondern wird über einen Dialog realisiert. Nancys Handy hat leider nicht überall Empfang, so dass erst eine Stelle mit Empfang aufgesucht werden muss. Die Aufgabenliste muss vom Spieler selbst abgehakt werden - was im Spielverlauf ziemlich aufwendig ist, weil die Aufgabenliste sehr lang wird und abgeschlossene Aufgaben nicht verschwinden/einklappen o.ä. Auch lassen sich die Dialog nicht abkürzen bzw. abbrechen, was bei langen Gesprächen nützlich gewesen wäre. Vor allem stört das aber am Spielende, bei dem man sich einen sehr langen Monolog erneut komplett anhören muss, wenn man den richtigen Zeitpunkt zum Interagieren verpasst.


Fazit:

Der Text auf der DVD-Hülle wirkt nach dem Spielen völlig überzogen, nichtssagend und auch etwas lächerlich. Was groß angekündigt wird, ist nur ein Bruchteil im Spiel und in wenigen Sekunden abgehandelt (z.B. "bastle nützliche Kettenreaktionen"). Auch die Charaktere wirken durch die Synchronisation und Texte platt und teilweise albern. Im Laufe des Spiels entwickelt sich keine Sympathie und Identifikation, sondern eher Distanzierung zu den Figuren. Die Fehler in der Übersetzung, die das Lösen mehrerer Rätsel unmöglich machen, erzeugen beim verzweifelten Spieler nur Frust. Wer sich dennoch zwingt, zu Ende zu spielen, erlebt ein plumpes und enttäuschendes Ende.

Die zwei Schwierigkeitsgrade sprechen zwar unterschiedliche Spielertypen an, allerdings ist der einfache Modus aufgrund der Aufgabenliste schon fast zu einfach. Auch ist hier die Spielzeit mit wenigen Stunden viel zu kurz. Die andere Variante hingegen ist aufgrund der fehlenden Informationen von Aufgaben und Gegenständen sehr schwer und von der Spieldauer um ein vielfaches höher. Das Rätseldesign ist daher unserer Ansicht nach eher für fortgeschrittene Adventure-Fans geeignet, die mit sehr wenig Anleitung im Spiel auskommen. Um überhaupt die Möglichkeit zu haben, dass Spiel zu erleben, muss man bei der Installation unbedingt darauf achten das Spiel unbedingt in das Standardinstallationsverzeichnis zu installieren, da sonst das Spiel den Start verweigert.

Bewertung:

 

Bewertung Machinarium

Systemanforderungen:

 Windows XP/Vista 1GHz CPU (Intel® Pentium® III oder vergleichbarer Prozessor) 128MB RAM 32MB DirectX 9.0-kompatible Grafikkarte 16 bit Soundkarte 1GB freier Festplattenspeicher DVD-ROM-Laufwerk

Spiel kaufen:

Klick

Homepage:

http://www.nancy-drew.de/

Publisher:

http://www.dtp-ag.com/

Hersteller:

http://www.dtp-ag.com/

 geschrieben am 25.03.2010 von Alexander Stein und Jana Gläßer.

Screenshot-1-Nancy Drew 17 - Die Legende des Kristallschädels
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